Das Institut für Graue Energie ist ein eingetragener Verein. Als Gruppe engagieren wir uns seit 2021 für eine neue Bewertung bestehender Gebäude. Wir setzen uns gegen den Abriss bestehender Gebäude ein. Wir wollen ihnen eine neue Perspektive geben. Dafür setzen wir uns aus wissenschaftlicher, architektonischer und baupraktischer Perspektive mit Bestandsgebäuden auseinander.

Wir unterstützen Interessierte dabei, eigene Projekte zu initiieren. Wir beraten hinsichtlich strategischer und kommunikativer Prozesse und Fördermöglichkeiten und vernetzen Engagierte, Planer:innen und Entscheidungsträger:innen. Wir setzen uns vor Ort ein. Wir kommen ins Gespräch und schaffen Sichtbarkeit. 

Richard Blum

ist Kunsthistoriker und Denkmalpfleger, macht derzeit zudem eine Ausbildung zum Zimmerer. Im Verein unterstützt er insbesondere bei anfallenden Arbeiten rund um die Reallabore. In seiner wissenschaftlichen Tätigkeit widmet sich Richard der Geschichte und dem Erhalt historischer Tragwerkskonstruktionen. 

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Fridtjof Florian Dossin

ist Planer und Denkmalpfleger. Sein Fokus liegt auf der Erforschung und Erhaltung industriell geprägter Gebäude und Landschaften. Florian ist im Vereinsvorstand und betreut die Reallabore, weshalb er häufig für den Verein vor Ort unterwegs ist und lokale Netzwerke pflegt. 

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Victoria Grau

ist Urbanistin und Wissenschaftlerin. Im Verein beschäftigt sie sich vor allem mit der politischen Dimension der räumlichen Entwicklung und ihrer Geschichte und Gegenwart. 

Mirko Haselroth

ist eingetragener Architekt und Regierungsbaumeister, der in Weimar, Graz, München und Lausanne studierte. Seit 2024 führt er gemeinsam mit Helen-Maja Rudolph und Marcus Schlicht das Architekturbüro wurzelsieben (√7) mit Sitz in München. Mirko leitet Projekte, ist im Vereinsvorstand und führt die Vereinskasse. 


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Paula Keppke

hat in Weimar Urbanistik und in Berlin Stadt- und Regionalplanung studiert. Sie interessiert sich insbesondere für die sozial-kulturellen Dimensionen Grauer Energie und die Geschichten hinter leerstehenden Bauten. Paula ist Teil des Vereinsvorstandes und engagiert sich in der Planung und Umsetzung von Veranstaltungen.

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Jannik Noeske

ist Urbanist und Stadtforscher. Im Verein ist er für Forschung, Lehre und die Webseite verantwortlich. Jannik vertritt den Verein bei Veranstaltungen und setzt sich in seiner wissenschaftlichen Tätigkeit aus historischer Perspektive mit Bestandserneuerung und Abrisspolitiken auseinander.

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Carolin Schmidt

ist Urbanistin und Planerin. Ihr Fokus liegt auf der räumlichen Entwicklung von transformationsgeprägten ländlichen Räumen. Carolin engagiert sich im Verein sowohl konzeptionell als auch praktisch für neue Ansätze der Bestandsentwicklung. Zudem verantwortet sie die Öffentlichkeitsarbeit und konzipiert sowie organisiert Veranstaltungen.

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René Schwolow

ist Produktdesigner und Baumwart. Im Verein betreut er das Reallabor in Hohenleuben, wo er eine alte Gärtnerei wieder einer Nutzung zugeführt hat. Dort saniert er die historischen Erdgewächshäuser und baut auf dem Gelände Goldenen Bergtee an.

Enrique Torres

ist als Zukunftskurator und Kulturmanager. In seiner kuratorischen Arbeit verbindet er datenbasierte Ansätze, urbane Praxis und community-orientierte Programmentwicklung. Er engagiert sich in zahlreichen künstlerischen Projekten an der Schnittstelle von Kunst, Aktivismus und Wissenschaft. Im Verein berät er in der Konzeptentwicklung und bei Fragen zur Verwaltung.

Vereinsstruktur

Der Verein beschäftigt sich mit Grauer Energie aus verschiedenen Perspektiven. So sehen wir auch die Vereinsstruktur aus Archiv, Atelier und Reallaboren, die für uns lose Organisationsstütze und inhaltliche Orientierung ist. Sie zeigt, dass der Verein in Wissensproduktion, Planung und Entwurf sowie in der baupraktischen Umsetzung tätig ist. 

Wir betrachten die vertiefende Erforschung weiterer Dimensionen von grauer Energie über deren energetische Bedeutung hinaus als wichtige Grundlage unseres Handelns. Die gebundene Energie als Ressource ist zwangsläufig als Teil unserer Umwelt zu verstehen, sodass sich zahlreiche Wechselwirkungen zwischen Gebautem und Gewachsenem ergeben. Sind zyklische Regenerierung und Prozesse der Aneignung dabei nur scheinbare Widersprüche?

Wir verstehen Graue Energie als kulturell bedingte Ressource. Ihre Nutzung erfordert eine kritische Auseinandersetzung mit Entstehungsbedingungen und historischen Kontexten. Nicht nur in diesem Zusammenhang stellen wir die verkrusteten Bilder und Vorstellungen von urbanem und ruralem Raum in Frage.

Wichtige Erkenntnisse werden mit vorhandenem Wissen im Archiv des Instituts zusammengeführt, mit Interessierten diskutiert und langfristig verfügbar gemacht. Weitere Thematiken wie Reparaturkultur, nachhaltiges Bauen, urban mining oder bestehende Konzepte der Bestandstransformation fließen auf diesem Weg in das Institut ein und geben neue Impulse. Die meist urbanen Strategien werden jedoch nicht kopiert, sondern für die regionale Einbettung des Instituts weitergedacht.

Das Herz unserer Arbeit sind konkrete Orte. Wir nennen sie Reallabore – denn sie ermöglichen uns, Ideen, Strategien und Praktiken direkt auszuprobieren. So fangen wir im Kleinen mit dem Bestandserhalt an! Als Bauprojekte unserer Mitglieder sind sie keine Utopien, sondern erweisen sich als sozial und ökonomisch tragfähig.

Der Fokus liegt auf Strategien zu Erhaltung, Umbau und Weiternutzung dieser Bauten. Bisher sind Transformationen solcher Gebäude in der Regel mit erheblichen Eingriffen und hohem energetischen Aufwand verbunden, sodass eine erneute Umnutzung in der Zukunft ausgeschlossen scheint – oder wiederum Unmengen an Energie und Ressourcen schluckt. Durch niedrigschwellige Aneignungskonzepte entsteht in unseren Reallaboren eine Alternative zum energieaufwendigem Totalumbau – oder zum Abbruch.

Graue Energie gilt in den meisten Fällen als nicht erneuerbar, weshalb wir im Institut für Graue Energie neue ressourcenschonende Herangehensweisen zur zirkulären Wiedernutzbarmachung und Einsparung dieser Energie entwickeln. Durch adaptive Nutzungskonzepte kann ein gewisser Grad an Erneuerbarkeit dieser Ressource erreicht werden. Diese Energie wird als öffentliches Gemeingut betrachtet. Neunutzung und Aufwertung dürfen ökonomische Ungleichheiten der Bodennutzung nicht reproduzieren, sondern können zu einer Verteilungsgerechtigkeit an öffentlichen Gütern beitragen.

Wir verlassen dafür die urbanen Zentren, erproben die Herangehensweisen im Reallabor und tragen die Erkenntnisse durch das Atelier an weitere Orte in Mitteldeutschland und bestenfalls in andere europäische Regionen. Als Angelpunkt, Heimstätte und erstes Projekt des Instituts dient das Areal eines Getreidespeichers in Oßmannstedt (Thüringen). Aufgrund der Bau- und Nutzungsgeschichte erachten wir dieses als anspruchsvolles kulturelles sowie ökologisches Erbe und somit als Kristallisationspunkt unserer Themen.